Die Pazifische Leuchterflechte (Candelaria pacifica) ist die Flechte des Jahres 2026

Die Leuchterflechten (Gattung Candelaria) sind trotz der geringen Größe der einzelnen Individuen auffällige Bewohner der Rinde freistehender Laubbäume, da sie in der Regel in größeren Beständen auftreten und durch ihre leuchtend gelbe Farbe auffallen. Lange galt die Gewöhnliche Leuchterflechte (Candelaria concolor; Abb. 1–3) als der einzige Vertreter der Gattung in Europa, bis Westberg & Nash (2002, provisorisch) bzw. Westberg & Arup (2011, gültig) die Pazifische Leuchterflechte (Candelaria pacifica) aus Nordamerika beschrieben und auch für Europa nachwiesen.

Aussehen und Verwechslungsmöglichkeiten

Die Pazifische Leuchterflechte bildet mehr oder weniger ausgedehnte Bestände aus kleinen gelben Lagern, die teils locker dem Substrat aufliegen , vorwiegend aber deutlich, fast aufrecht von ihm abstehen. Sie sind in kleine Schuppen aufgelöst bzw. in Läppchen zerschlitzt, an deren Rändern und teils auch auf der Fläche meist reichlich Blastidien gebildet werden, die der Verbreitung dienen.

Die Unterseite ist unberindet daher wird das spinnwebige Mark sichtbar, aus dem wenige zarte rhizinenartige Bündel entspringen. Da die Algen nicht durch eine Rinde verdeckt werden, erscheint die Unterseite zumindest feucht grünlich bis dunkelgrün, während sie in trockenem Zustand eher weißlich ist. Die Ascomata enthalten 8-sporige Asci, treten aber in Europa nur extrem selten auf.

Candelaria pacifica kann mit verschiedenen anderen gelben Rindenflechten verwechselt werden. Leicht lässt sich die Gelbe Wandflechte (Xanthoria parietina) wegen der großen, breitlappigen Lager abtrennen. Weniger einfach ist das bei der ähnlichen (siehe Name!) Leuchter-Gelbflechte (Polycauliona candelaria), die sich, wie alle Wand- und Gelbflechten-Arten, aufgrund spezifischer Inhaltsstoffe bei Betupfen mit Kalilauge (KOH) sofort tiefrot färbt. Bei den Leuchterflechten jedoch bestehen die auf der Oberrinde abgelagerten gelben Kristalle u.a. aus Pulvinsäure-Derivaten, die ihre Farbe bei Zugabe von KOH nicht verändern. Zur Unterscheidung von den ebenfalls nicht mit KOH reagierenden Dotterflechten (Candelariella) lässt sich dieses Merkmal nicht verwenden. Die rindenbewohnenden Arten dieser insgesamt recht schwierigen Gruppe bilden jedoch, wenn überhaupt, nur sehr kleine, deutlich dem Substrat anliegende Schüppchen aus. Je nach Art können diese Schüppchen mehr oder weniger deutlich ausgebildet sein oder auch gänzlich fehlen. Candelariella reflexa bildet kleine, manchmal rosettenartige Schüppchen (Areolen), in deren Zentrum Soredien gebildet werden. Die Ähnlichkeit mit Candelaria dürfte der Grund dafür sein, dass vereinzelt Exemplare von C. pacifica als „Candelariella reflexa“ in Herbarien abgelegt wurden (Dolnik 2013).

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Antitrichia curtipendula | © W. von Brackel

Ökologie

Candelaria pacifica tritt zusammen mit C. concolor auf der subneutralen bis mäßig sauren, meist staubimprägnierten, eutrophierten Rinde von freistehenden Laubbäumen und -sträuchern auf, selten auch an Nadelbäumen und Holz oder ganz selten auf Gestein.

Die Art dringt weit bis in die Städte vor. Im Nordwestdeutschen Tiefland tritt sie besonders an alten Linden (aber auch an anderen Laubbäumen wie Eiche, Rosskastanie oder Ahorn) im Siedlungsbereich auf (Dolnik 2013, M. Schultz mdl.), während Cezanne & Eichler (2015) sie im Süden Deutschlands vor allem von Ahorn und Eiche, aber auch an Pappel, Walnuss, Kirsche, Weide, Linde, Esche, Apfelbaum, Hainbuche, Ulme, Holunder, Robinie, Erle, Götter- und Maulbeerbaum sowie an Pfaffenhütchen fanden.

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Biologie

Candelariella pacifica verbreitet sich sowohl generativ (sexuell) durch Sporen, die in den Schläuchen (Asci) der Fruchtkörper (Apothecien) gebildet werden, wie auch vegetativ durch Blastidien, kleinen Thallusabschnürungen, die an den Spitzen, später auch an den Rändern und auf der Fläche der Thalli entstehen. In Europa wurde die Bildung von Apothecien bisher nur einmal in der Türkei beobachtet, während sie in Nordamerika gelegentlich vorkommt.

Wie alle Flechten lebt die Art mit einem photosynthetisch aktiven Symbiosepartner zusammen, in diesem Fall mit chlorococcoiden Grünalgen.

Parasiten

Wohl auch weil die Art erst vor kurzem beschrieben wurde, sind auf ihr noch keine für sie spezifischen Parasiten bekannt geworden. Zu erwarten sind aber solche, die auf verschiedenen anderen Arten der Familie vorkommen, wie Athelia arachnoidea (Berk.) Jülich, Acarospora subfuscescens (Nyl.) H. Magn., Ascochyta candelariellicola, Ciliomyces oropensis, Epithamnolia xanthoriae, Erythricium aurantiacum, Illosporiopsis christiansenii, Intralichen lichenicola, Sarcopyrenia gibba var. geisleri, Tremella candelariellae oder Trimmatostroma vandenboomii.

Abbildung 11 zeigt einen Rasen, der von einem Pilz, wahrscheinlich Athelia arachnoidea, angegriffen wird. Da der Pilz von den Algen lebt, wird die Flechte bleich, bevor sie gänzlich abstirbt.

Antitrichia curtipendula | © W. von Brackel

Literatur

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Dolnik, C. 2013. Candelaria pacifica und andere bemerkenswerte Flechten aus Schleswig-Holstein. – Kieler Notizen zur Pflanzenkunde 39: 11–18. URL: https://www.zobodat.at/pdf/Kieler-Notizen-zur-Pflanzenkunde_39_0011-0018.pdf

Franzen, I., Stapper, N.J. & Frahm, J.-P. 2002: Ermittlung der lufthygienischen Situation Nordrhein-Westfalens mit epiphytischen Flechten und Moosen als Bioindikatoren. Gutachten im Auftrag des Ministeriums für Umwelt und Naturschutz, Landwirtschaft und Verbraucherschutz Nordrhein-Westfalen – MUNLV. 41 S.

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Meinunger, L. 2019. Florenatlas der Flechten des Thüringer Waldes, der Rhön und angrenzender Gebiete. – Haussknechtia Beiheft 20: 1–1403.

Neuwirth, G. 2014. Revision of the genus Candelaria (Ascomycota, Candelariales) in Upper Austria. – Stapfia 110: 39–46. URL: https://www.zobodat.at/pdf/STAPFIA_0101_0039-0046.pdf

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