Was ist ein Moos?

Moos sind kleine, grüne Pflanzen, die zu den ältesten Landpflanzen gehören. Sie entwickelten sich vor etwa 450-500 Mio. Jahren aus den Grünalgen. Man kann sie aufgrund ihrer Verwandtschaft in die drei Großgruppen Laubmoose, Lebermoose und Hornmoose einteilen. Etwa 75 % aller Moose können den Laubmoosen zugerechnet werden. Die kleinste Gruppe ist jene der Hornmoose, die in Mitteleuropa nur wenige Arten umfasst. Die Verwandtschaftsverhältnisse zwischen den drei Großgruppen und besonders zu den Gefäßpflanzen ist noch nicht geklärt. Der deutsche Begriff “Moose” umfasst alle drei Gruppen, im Englischen spricht man von „bryophytes“, wenn man unspezifisch von allen Moosen spricht. Der englische Begriff “mosses” bezeichnet nur die Laubmoose, was zu Beginn etwas verwirrend sein kann.

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Wie viele Moosarten gibt es auf der Welt?

Die Anzahl der Moosarten auf der Welt lässt sich nur schwer und keinesfalls genau beantworten. In den meisten Gebieten wurde die Diversität der Moose noch nicht ausreichend erforscht und es werden immer wieder neue Arten beschrieben. Dies ist besonders in den Tropen der Fall, aber auch in Mitteleuropa werden immer wieder neue Arten durch sorgfältige Untersuchungen erkannt. Schätzungen belaufen sich auf ca. 16.000 Moosarten weltweit. Von diesen sind die Laubmoose mit ca. 8000 Arten die artenreichste Gruppe. Lebermoose folgen mit ca. 6000 Arten und Hornmoose mit ca. 200. Es ist davon auszugehen, dass noch zahlreiche Arten unentdeckt sind, viele der bereits beschriebenen Arten jedoch auch redundant sind. In Europa lässt sich die Artenzahl deutlich genauer bestimmen, da die Moosflora im Verhältnis zu vielen anderen Erdteilen gut erforscht ist. In der aktuellen Checkliste der Moose Europas (Hodgetts & Lockhart 2020) sind über 1800 Moosarten gelistet. Auch hier überwiegt die Diversität der Laubmoose deutlich.

Ökologie

Lebensräume

Moose bevorzugen grundsätzlich feuchte Lebensräume, einigen Arten haben sich aber auch gut an Trockenstandorte angepasst. Der Grund, warum Moose feuchte Standorte besiedeln ist der, dass die männlichen Gameten (Spermatozoiden) bewegungsunfähig sind und einen Wasserfilm benötigen, mithilfe dessen sie den weiblichen Gameten (Eizelle) erreichen können. Kommt es zu einer erfolgreichen Befruchtung, wird die Sporenkapsel (Sporophyt) ausgebildet. Prinzipiell kommen die Moose global in fast allen Lebensräumen vor, nur in marinen Standorten fehlen sie.  Mehr lesen…

Lebensweisen

Auch die Lebensweise der Moose kann sehr unterschiedlich sein. Die kleinsten Laubmoose sind z.B. voll entwickelt gerade mal 2 mm hoch. In unserer heimischen Flora gehören hierzu das Zarte Kleinmützenmoos (Micromitrium tenerum) und Tagmoos-Arten (Ephemerum spp.). Sie kommen an kurzlebigen Standorten wie z.B. Äckern und Teichböden vor und können ihren gesamten Lebenszyklus bis zur Sporenreife unter guten Bedingungen in nur wenigen Wochen abschließen. Hingegen können Vertreter der Polytrichaceae bis zu einem halben Meter hoch werden. Mehr lesen…

Vermehrung und Verbreitung

Sexuell pflanzen sich Moose über Sporen fort. Sie werden über den Wind verbreitet und können über hunderte Kilometer vertragen werden. Dies ist auch der Grund, warum viele Moose im Vergleich zu den Gefäßpflanzen, viel größere Areale in ihrer Verbreitung aufweisen.

Ein Großteil aller Moosarten können sich aber nicht nur über Sporen verbreiten, sondern auch durch vegetatives (asexuelles) Wachstum. Bei den pleurokarpen Laubmoosen ist bekannt, dass sich an Verzweigungen an der Basis vom Stamm neue Seitenzweige ausbilden können, die zu neuen Pflanzen auswachsen (klonales Wachstum). 

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Der Einstieg in die Welt der Moose

Im Gelände – Lupe und weitere Ausrüstung

Mit etwas Erfahrung lassen sich viele Arten bereits im Gelände mit bloßem Auge ansprechen. Da viele Arten jedoch nur wenige mm groß sind, ist eine Lupe das wichtigste Hilfsmittel im Gelände um Moose zu bestimmen. Vergrößerungen zwischen 10 x und 20 x sind üblich. Bei geringerer Vergrößerung ist das Sichtfeld und die Tiefenschärfe größer, mit einer 20 x – Lupe sieht man mehr Details, sie ist aber auch lichtschwächer und das Sichtfeld wird kleiner.

 

Ein guter Kompromiss ist z.B. eine Lupe mit 14 x – facher Vergrößerung. Modelle gibt es in zahlreichen Preisklassen. Besonders für den Anfang ausreichende Modelle bestehen aus zwei plankonvexen Linsen, wobei die planen Flächen jeweils außen liegen. Preislage ab fünf Euro auf dem Flohmarkt. Einziger Nachteil ist, dass Feuchtigkeit zwischen die Linsen gelangen kann.

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Lichtlupe(Lichen-candelaris) hergestellt von Erich Zimmermann
Lichtlupe(Lichen-candelaris) hergestellt von Erich Zimmermann
Gekapselter Herbarbeleg eines Mooses mit allen wichtigen Angaben zur Aufsammlung
Gekapselter Herbarbeleg eines Mooses mit allen wichtigen Angaben zur Aufsammlung | © Martina Pöltl

Moose Sammeln und Aufbewahren

Zum Sammeln im Gelände bewähren sich kleine Papierbehältnisse, wie Butterbrottüten oder aus ca. A4-Seiten gefaltete Kapseln (Verweis Anleitung). Das Papier sollte auch bei Feuchtigkeit möglichst reißfest sein. Auf diese, oder in ein Notizbuch, schreibt man dann wichtige Angaben zum Fund. Hierzu gehören z.B. Datum, Fundort, Habitat und Substrat. Damit die Proben nicht beginnen zu schimmeln oder von anderen Pilzen befallen werden, sollte man die Proben nicht in Plastik verpacken und abends die Tüten ausbreiten und an der Luft trocknen lassen. Möchte man sich tiefgehender mit Moosen beschäftigen, ist es sinnvoll ein Herbarium anzulegen.

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Mikroskopie für zuhause

Normalerweise werden zwei Mikroskope verwendet. Ein Stereomikroskop (umgangssprachlich oft Bino) und ein Durchlichtmikroskop. Der offensichtlichste Unterschied ist die Vergrößerung: Beim Binokular sind Vergrößerungen zwischen 6 x und 60 x üblich. Bei Stereomikroskopen werden, ähnlich wie bei einem Fernglas für beide Augen separate Strahlengänge bereitgestellt. Hierdurch entsteht ein räumliches „3D-Bild“. 

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Utensilien für die Mikroskopie von Moosen
Utensilien für die Mikroskopie von Moosen | © Martina Pöltl

Selbststudium und Exkursionen

Bei den vielen Exkursionen der BLAM (Link Veranstaltungen) kann man zahlreiche Arten gezeigt bekommen und viel über die Lebensräume und Lebensweisen der Moose erfahren. Expert*innen können wertvolle Tipps zum Erkennen von Arten im Gelände und deren Ökologie geben. Die Kenntnis der Ökologie ist besonders wichtig, um Arten im Gelände bereits ansprechen zu können und um spezifisch nach bestimmten Arten zu suchen. Wenn man eine Art an ihrem typischen Standort vorgestellt bekommt, fällt es oft leichter sich diese einzuprägen und dann an ähnlichen Standorten selbst erneut zu finden. Außerdem sind Exkursionen mit Fachkundigen eine wunderbare Möglichkeit eine Vergleichssammlung anzulegen. Von Expert*innen sicher bestimmte Belege kann man später nutzen, um seine eigenen Funde mit diesen zu vergleichen und sich so der Bestimmung zu vergewissern. Aber auch das Selbststudium ist unentbehrlich. Durch die intensive Arbeit mit der Bestimmungsliteratur lernt man nicht nur die Merkmale, Verbreitung  und Ökologie der zu bestimmenden Art kennen, sondern lernt auch viel über andere Taxa und bekommt so einen besseren Überblick über die Vielfalt der Moose. Außerdem hilfreich ist Inaturalist. 

Link: Youtube Channel: Buxbaumia films

Moosliteratur

Will man als frisch an Moosen Interessierter sich spezielle Literatur zulegen, merkt man schnell, dass die Auswahl, vor allem von deutschsprachiger Literatur, überschaubar ist. Zu den Klassikern der Bestimmungsbücher zählen “Die Moosflora” von Frahm & Frey, wobei mittlerweile alle Auflagen vergriffen sind. Ähnliches zeigt sich bei “Die Moose Baden Württembergs,” Band 1-3 (Nebel et al. 2000-2005). Antiquarisch sind die Bücher meist zu finden, wenn auch oft nur sehr teuer. Als Standardwerk für Europa ist zudem “The Moosses, Liverworts and Ferns of Europe” (Frey et al. 2006) zu nennen. Fremdsprachige Bestimmungsliteratur aus jüngerer Zeit stellen die “Les Bryophytes de France” (Hugonnot & Chavoutier 2022 und 2024) dar, wobei bisher Band 1 und 2 erschienen sind. Empfehlenswert ist auch der britische Fieldguide “Mosses and Liverworts of Britain and Ireland” (Atherton et al. 2010, hier auch online erhältlich) sowie für die Laubmoose die schwedischen “Nationalnyckeln” (Hallingbäck et al. 2008.19, 4 Bände). Eine Bildflora über die Laubmoose Mitteleuropas in hervorragender Qualität stellen die “Mosses of Europe” von Lüth (2019) dar. Die drei Bildbände können noch als pdf erworben werden.

Moose im Web

Bestimmungshilfen zu den Moosen in guter Qualität sind auch im Internet zu finden. Folgende Homepages sind zu empfehlen:

Swissbryophytes: Artenportraits, Verbreitungskarten Schweiz, Bilder, Veranstaltungskalender, etc.

Moose Deutschlands: Artenportraits, Verbreitungskarten Deutschland

Field Guide online – British Bryological Society: sehr umfangreiche Homepage für alles rund ums Moos

Bildatlas Moose Deutschlands: Bildtafeln zu den Laubmoosen von Deutschland

iNaturalist, Naturbeobachtungsplattform